Heidelberger Katechismus Frage ...
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Der Heidelberger Katechismus im Lexikon

Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG), 4. Auflage, Bd. 3; Tübingen 2000

Empore in der Heiliggeistkirche Heidelberg; Standort der Bibliotheca Palatina. Foto©Siller2012

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Mohr Siebeck, Tübingen

Heidelberger Katechismus

I. Abfassung – II. Theologie – III. Wirkungsgeschichte und Bedeutung

I. Urkundliche Belege über die Abfassung des H.K. sind nicht erhalten. Quirinus Richter teilt im Vorwort der Opera Theologica des Z.>Ursinus (Bd. 1-3, 1612) mit, Ursinus habe auf Befehl des Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz zwei Katechismen verfaßt: Unam quidem maiorem, pro studiosis adultioribus, et scholis maioribus, alteram minorem, captui populi et puerilis aetatis magis accommodatam (Bd. 1, 10), also einen Katechismus für Theologen und einen Volks- und Kinderkatechismus. Beide Katechismen werden seit der Edition von August >Lang (1907) als Major (Ma) und Minor (Mi) bezeichnet. Sie enthalten, wie Lang nachgewiesen hat, mannigfache sachliche und sprachliche Übereinstimmungen mit dem >Genfer Katechismus Calvins, dem Emdener Katechismus und anderen ref. Katechismen. In der Auslegung des Credo werden auch Calvins „Institutio“ und Melanchthons „Examen Ordinandorum“ benutzt. Die theol. Unterschiede zw. Ma und Mi sind nicht prinzipieller Art, sondern didaktisch begründet. Beide Katechismen sind von der kurfürstlichen Theologenkommission gebilligt worden, wurden aber zu einem Katechismus vereinigt, der sowohl theol. Lehrnorm als auch Volkskatechismus sein sollte und auf Veranlassung des Kurfürsten im Januar 1563 in Heidelberg unter dem Titel „Catechismus oder Christlicher Underricht, wie der in Kirchen und Schulen der Churfürstlichen Pfaltz getrieben wirdt“ gedruckt wurde, zunächst ohne die spätere Frage 80, dann mit der Frage 80 ohne Anathema. In der dritten und endgültigen Fassung bildet er das Herzstück der Kirchenordnung der Kurpfalz von 1563. Die 129 Fragen und Antworten sind für Katechismusgottesdienste in 52 Sonntagsabschnitte und für die Lesung im Hauptgottesdienst in zehn Lektionen gegliedert.
Der Melanchthonschüler Ursinus, seit 1562 Prof. für Dogmatik in >Heidelberg, wird nicht ausdrücklich als Verfasser des H.K. genannt. Da aber, wie Reuter berichtet und ein Vergleich der Texte bestätigt, das meiste aus Ma und Mi in den H.K. übernommen wurde (pleraque transscripta), kann Ursinus auch als Verfasser dieses neuen Katechismus gelten. Die ältere These, daß C. >Olevian Mitverfasser sei, ist aufzugeben. Ursinus wird freilich Anregungen aus der Theologenkommission, zu der auch Olevian gehörte, aufgenommen haben. Die Hinzufügung der Bibelstellen hatte der Kurfürst gewünscht. Wegen seiner einheitlichen syntaktischen, sprachlichen und rhythmischen Form kann der H.K. aber nicht das Ergebnis einer Kommissionsarbeit sein; er hat einen einzigen Verfasser, Ursinus.

II. Anders als Calvins Genfer Katechismus, der die Gotteserkenntnis voranstellt, geht der H.K. von der Frage der Heilsgewißheit aus. So bestimmt das Motiv des Trostes, charakteristisch für Melanchthons Theol.; die Ausgangsfrage:“ Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?“ Die Antwort sagt in einem Satz, was der Trost ist: „Daß ich mit Leib und Seele, beides, im Leben und im Sterben, nicht mein, sondern meines getreuen Heilandes Jesu Christi eigen bin...“ Der ganze Katechismus ist die Entfaltung dieses einen Satzes. Er ist somit, anders als Luthers Kleiner Katechismus, analytisch, nicht synthetisch aufgebaut. Er deutet christl. Existenz im Zeichen der >Sünde, der >Erlösung und der Dankbarkeit, freilich nicht im Sinne von drei Zuständen oder Phasen oder einer Entwicklung, sondern einer Gleichzeitigkeit. Die Frage „ Wie wirst du gerecht vor Gott?“ (Mi 46, Ma 133) wird im H.K. 60 geändert in: „Wie bist du gerecht vor Gott?“
Der Aufbau des H.K. entspricht der dreiteiligen Heilserkenntnis:
1) Sündenerkenntnis (3-11): „Von des Menschen Elend“; 2) Erkenntnis und Zueignung der Erlösung (12-85): „Von des Menschen Erlösung“, mit >Apostolicum und >Sakramenten; 3) Leben in Dankbarkeit vor Gott (86-129): „Von der Dankbarkeit“, mit >Dekalog und >Vaterunser.
Frage 21 definiert den Glauben als Erkenntnis der Offenbarung Gottes und „herzliches Vertrauen, daß auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit geschenkt sei“. Diesen Glauben wirkt der Hl. Geist (>Geist/Heiliger Geist) in unseren Herzen durch die Predigt des >Evangeliums und „bestätigt“ ihn durch den Gebrauch der Sakramente (Frage 65).
Das Gesetz kommt – mit Luther – in seinem usus elenchticus im ersten Stück zur Geltung (aus dem Doppelgebot der Liebe erkennen wir unser Elend), sodann – mit Calvin – im tertius usus im dritten Stück (Dekalog im Anschluß an das >Credo und die Sakramente). Diese differenzierte Zuordnung von >Gesetz und Evangelium gibt dem H.K. eine Mittelstellung zw. luth. und calvinischer Theol.
Die Fragen 12-18 bieten eine an >Anselms Satisfaktionslehre erinnernde Argumentation, sind aber von Frage 1und 19 her als aposteriorische und im Evangelium begründete Aussagen zu verstehen (Metz). Die Tauflehre (Frage 69-74) steht der von Zwingli und Th.>Erastus nahe, die Abendmahlslehre (Frage 75-79) betont den calvinischen Gedanken der Christusgemeinschaft. In Frage 47 und 48 findet sich das >Extra Calvinisticum. Frage 80 geht auf Olevian zurück. Zu ihr hat das Moderamen des > Reformierten Bundes 1976 und 1994 eine ökum. Erklärung abgegeben.
Der H.K. stellt eine Synthese von Melanchthons und Calvins Theol. dar, eine „dritte Theologie“: die dt.-ref. Theol.

III. Der H.K. wurde 1563 in die neue Kirchenordnung der Kurpfalz eingefügt und überall im Lande eingeführt. Die Ungarn übernahmen ihn 1567, die Niederländer 1571. Von seinem Ursprung her keine Bekenntnisschrift, wurde er auf der >Dordrechter Synode 1618/19 zum Bekenntnisbuch der ref. Kirchen erklärt. Im 18. und 19. Jh. wurde er das ref. Bekenntnisbuch schlechthin, das sich weltweit durchgesetzt hat (in ca. 40 Sprachen). Er hat sich durch die Jh. hindurch bewährt als Unterrichts- und Bekenntnisbuch, als Predigttext, nicht zuletzt als Trost- und Gebetbuch. Der Ref. Bund und die ref. dt. Kirchen (>Reformierte Kirchen) haben den Text 1963 und 1997 für den Gebrauch in den Gemeinden revidiert.

Quellen: A. Lang, Der H.K. und vier verwandte Katechismen, 1907, Nachdr. 1967 ° E. Sehling (Hg.), Die ev. Kirchenordnungen des XVI. Jh., Bd. 14: Kurpfalz, 1969, 333-408 ° Neuere Ausg.: Der H.K. Jubiläumsausgabe 1963, hg. von der Lippischen Landeskirche und der Ev.-ref. Kirche in Nordwestdeutschland ° H.K. Revidierte Ausg. 1997, hg. von der Ev.-Ref. Kirche in Deutschland (darin: J.F. G. Goeters, Zur Geschichte des Katechismus); abgedruckt auch jeweils im ref. EG ° Lit.: K. Barth, Die christl. Lehre nach dem H.K., 1948 ° Ders, Einführung i den H.K., 1960 ° H. Ott, Dogmatik und Verkündigung, 1961 ° W. Herrenbrück/U. Smidt (Hg.), Warum wirst du ein Christ genannt? Vorträge und Aufs. zum H.K., 1965 ° W. Metz/J. Fangmeier (TRE 14, 1985, 582-590, Bibliogr.) ° E. Busch, Der Freiheit zugetan, 1998

Erdmann Sturm


Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Mohr Siebeck, Tübingen

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