Frage 1

Predigt von Pastor Jens Lohse, Bremen

"Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?"

Heidelberger Katechismus, 1. Sonntag*, Frage 1

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

Daß ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.

Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, daß mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.

Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiß und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.

Brauchen wir Trost oder geht’s uns gut? Brauchen wir Trost, oder haben wir so viel um die Ohren, dass wir gar nicht zur Besinnung kommen? Aber vielleicht schleicht die Angst uns des Nachts an, wenn wir nicht schlafen können, wenn der Fernseher aus ist, die Freunde im Bett liegen. Vielleicht schleicht uns die Angst auch nie an und wir fühlen uns einfach psychisch und gesundheitlich total fit.

Der Katechismus zeigt uns, was wir vielleicht gar nicht wahr nehmen und gar nicht empfinden. Dass wir nämlich Trost brauchen. Das gibt es ja, dass wir eine Krankheit in uns tragen, von der wir nichts wissen. Der Katechismus durchleuchtet uns, wie ein Arzt und weiß, dass wir Trost brauchen.

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

Das ist nicht die Frage, die wir uns normalerweise stellen. Uns trösten tausend Dinge. Womit tröstest du dich, wenn die dunklen Schatten auf deine Seele fallen? Was tröstet dich, wenn der Tod seine Hand ausreckt nach dir oder den Deinen? Womit tröstest du dich, wenn die Sünde stärker war als du, und du bist ihr gefolgt und hast Böses getan?

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?

Warum soll ausgerechnet Jesus mein Heiland sein und heil machen, was kaputt ist an mir? Wieso soll ausgerechnet Jesus und nicht zum Beispiel die Wissenschaft oder die Philosophie oder die Medizin oder die Psychoanalyse mich retten können?

Ihr Lieben, wenn euer Arzt euch sagt, es sieht schlecht aus mit deiner Gesundheit, du musst jetzt diese oder jene Therapie anwenden, dann hast du in der Regel das Vertrauen und tust, was dein Arzt sagt. Du selbst bist nicht der Arzt, du selbst kannst das gar nicht beurteilen, was er sagt. Aber du vertraust ihm und du folgst seiner Diagnose und du unterziehst dich einer Therapie - und damit tust du meist genau das Richtige - und wirst wieder gesund.

Heute ist der Katechismus dein Arzt. Er sagt dir, was allein dich tröstet. Vielleicht weißt du davon noch gar nichts. Vielleicht gehst du nur aus Gewohnheit zur Kirche, oder weil dein Chor heute dran ist, oder weil du deinen blöden Konfi-Stempelpass vollkriegen musst. Heute hörst du von dem, der mit einem Wort das tobende Meer zum Schweigen bringt. Und dieser Herr, dieser mächtige Herr, der Sohn Gottes, der den Tod besiegt hat, der auferstanden ist aus dem Tod mitten in unserer Welt und Geschichte, in der wir auch leben, der ist dein Heiland, der macht heil, was in dir und an dir und um dich herum kaputt ist, und der ist dir treu, wie du selbst niemals treu sein kannst.

Daß ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.

Du bist hier nicht wegen deiner Stempel. Du bist hier, damit du hörst: Ich gehöre ihm, er wird mich nicht loslassen! Ich gehöre IHM! Ich gehöre nicht irgendeiner Krankheit, ich gehöre nicht dem Tod, ich gehöre nicht einem anderen Menschen, ich gehöre nicht meinen Leidenschaften, ich gehöre nicht der Sünde, ich gehöre nicht irgendwelchen trügerischen Hoffnungen, ich gehöre also nicht dieser Welt, sondern ich gehöre IHM, dem Heiland, dem Retter. Mein Gott, was soll mir denn passieren!

Das ist die Heilung, die dir der Katechismus heute morgen anbietet, so, wie dein Arzt dir einen Weg zur Heilung zeigt. Und nun liegt der Ball bei dir. Nun bist du dran. Nun musst du wissen, ob du dir helfen lassen willst, oder nicht. Es ist nicht viel, was du tun musst, aber vielleicht ist es schwer. Ich weiß es nicht. Ich kenne dich nicht. Die Bibel sagt, dass der Satan der Herr dieser Welt ist. Er hasst den Glauben. Er sät Zweifel unter uns aus. Er will nicht, dass wir gerettet werden. Er liebt es, uns verzweifelt zu sehen, in unordentlichem Leben, im Chaos, ungetröstet. Das ist seine Welt, die Hölle auf Erden. Deshalb kann es sein, dass es schwer ist. Tu es trotzdem. Wage es. Glaube, dass du Jesus Christus gehörst, dem treuen Heiland!

Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst;

Vielleicht verstehst du das zuerst nicht. Weil du den Teufel nicht verstehst. Weil dir das vertrauter ist, zu sagen: Also, das Chaos auf Erden, das machen wir Menschen selbst. Das Chaos in uns selbst, das machen wir selbst. Ja, aber wir sind doch Werkzeuge einer Kraft, die größer ist, als wir. Wenn wir eigentlich alle das Gute wollen, aber dann doch immer wieder das Böse dabei rauskommt, dann zeigt uns das, wie wenig wir Herren unser selbst sind.

Und wenn der Katechismus nun diese Macht, die uns zum Bösen zieht, als den Teufel beim Namen nennt, was schadet’s, wenn wir auch hier seinem Wort glauben? Uns wird die Wahrheit gesagt, nun müssen wir entscheiden, ob wir sie glauben wollen! Es liegt aber Segen darauf, denn wenn wir glauben, werden wir geheilt.

Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst;

Der Katechismus lehrt uns hier aus der Bibel, dass Christus einen großen, einen unüberbietbaren Preis bezahlt hat für uns. Du gehörst jetzt ihm. Und glaub mir, der Preis war so hoch, den möchte er nicht umsonst bezahlt haben. Für diesen Preis bleibst du sein Eigentum im Leben und im Sterben. Glaub ihm. Im selben Moment wird das tobende Meer ganz still.

Er bewahrt mich so, daß ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, daß mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.

Glaubst du denn, er hat sein Blut für dich vergossen, damit am Ende doch wieder andere über dich bestimmen? Ab jetzt gehörst du dem Vater im Himmel, und was auch passiert: Er führt dich durch. Nicht einmal ein Haar wird von deinem Kopf fallen, ohne dass Gott es will, denn es ist ein Preis für dich bezahlt worden!

Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiß und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.

Der letzte Satz heute morgen. Wenn du glaubst, dann zieht der Heilige Geist in dich ein, wie in seine Wohnung. Und wenn der Heilige Geist in deinen Geist einzieht, dann folgt ihm der Glaube. Mache Platz in deinem Geist für den Heiligen Geist.

Weißt du: Du bleibst ja du selbst, auch wenn du gläubig geworden bist. Auch die Sünde, der Zweifel, die Unordnung, die Angst, die bisher zu dir gehörten, bleiben irgendwie noch da. Aber es ist ein neuer Geist eingezogen in dich. Der fängt an, sein Terrain ab zu stecken und seine Feldzeichen auf zu stellen: Hier regiert der heilige Geist! Gott selber fängt an, in dir groß zu werden! Alles nicht ohne Kampf, alles auch nicht ohne Niederlagen, aber doch auf Dauer. Er ist treu. Du wirst merken, wie er nicht aufhört, von innen her an dir zu arbeiten. Wir werden stark werden im Glauben und wir werden Lust bekommen, für den Herrn Jesus zu leben und zu sterben.
Amen.

*Predigt gehalten am Sonntag Septuagesimae, 27. Januar 2013, in der Simon-Petrus-Kirche in Bremen im Rahmen einer Predigtreihe zu den 52 Sonntagsabschnitten des Heidelberger Katechimsus.